Wewelsflether Gespräche: „Ach Europa! – Wie ist die EU zu retten?“

Die Gesprächsrunde mit SPD-Europa Kandidat Enrico Kreft (li.)

„Trotz besten Wetters kamen rund 100 Gäste in die Mehrzweckhalle, um beim Wewelsflether Gespräch über aktuelle Politik dabei zu sein. Unter dem Titel „Ach Europa! – Wie ist die EU zu retten“, packten die Organisatoren ein heißes Eisen an, denn angesichts eines chaotischen Brexits und anderen europäischen Krisen machen sich viele Sorgen um Frieden und Freiheit in der EU.

„In Britannien ist Europa mittlerweile ein Schimpfwort“, leitete Moderator Rainer Burchardt den Abend gewohnt provokant ein. Gleich zu Beginn outete sich der Bundestagsabgeordnete Ernst-Dieter Rossmann (SPD) als BEfürworter von Europa und wies darauf hin, welche Vorteile Europa für Umwelt, Bildung und Frieden selbst auf regionaler Ebene hat. Er sieht gerade in der Jugend eine Chance für Europa, doch zugleich fehle es an einer gemeinsamen Vision und vor allem an der notwendigen Begeisterung für die europäische Idee. Das europäische Austauschprogramm Erasmus sei wichtig für die Jugend, damit sie Ihr Europa kennenlerne, aber drei Viertel der Teilnehmer seien Studenten. „Junge Auszubildende nutzen Erasmus kaum“, bedauerte er.

reimer Böge (CDU) ist seit 1989 i EU-Parlament und berichtete über Brüsseler Tages- und Sachpolitik, deren Bürokratie auch er bemängelte. Er erklärte dem Publikum, dass Kommissionbeamte mit einem Jahresgehalt haften würden, wenn sie grobe Fehler begingen. „das aber führt stat zu mehr Gestaltung Europas nur zu übertriebenem Controlling.“ Auch die Tatsache, dass viele wesentliche Dnge einstimmig beschlossenwerden müsten, führe zu langen Entscheidungsprozessen, die Menschen frustrierten. Einzige Frau in der Runde war die Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Hedwig Wagner von der Europa-Universität in Flensburg. Sie berichtete von fehlendem EU-Grundwissen selbst bei ihren Studenten. Böge stimmte ihr zu und ergänzte, dass auch in den Chefredaktionen der Medien ein europapolitisches Defizit herrsche. Sogar deutsche Beamte verstünden zu wenig von ihren europäischen Nachbarn. Böge forderte daher eine Europaprofessionalisierung von Entscheidern in den Verwaltungen, denn man könne nur als Europa zusammenleben, wenn man sich kenne. Das war das Stichwort für Björn Engholm, SPD Ministerpräsident, a.D:, der in staatsmännischer Manier die Dinge auf den Punkt brachte. „Europa lebt von seiner Vielfalt“, erklärte er und erinnerte an die Ursprünge des europäischen Gedanken. Er forderte alle auf an der Demokratie Europas mitzuarbeiten. Dazu bedürfe es gemeinsamer Werte, einem Verständnis der eigenen Kultur und der des Nachbarn sowie das Recht, offen miteinander reden zu können. „Senn wir das nicht schaffen, haben wir bald ein Europa, von dem wir dachten, dass wir es lange hinter uns hätten.“ (Anja Marschall, Wilstersche Zeitung, 01.04.2019)